Mail Made in Germany – Mailprovider in Deutschland werben um Vertrauen

Seit ein paar Tagen werben drei große Mailanbieter aus Deutschland mit sicheren Mailverschlüsselung unter dem Namen Mail Made in Germany. Doch was nützt dieses Verfahren dem Endkunden wirklich? Hilft es gegen die Spionage durch BND, NSA und andere Geheimdienste?

Erst einmal zu Mail Made in Germany. GMX, Web.de und die deutsche Telekom werben neuerdings mit einer Technologie, die seit gut 2 Jahrzehnten bekannt ist. Diese Technologie heißt SSL/TLS und soll den Mailverkehr zwischen dem Absender, dem Mailprovider (hier GMX, Web.de und Telekom) verschlüssen.

Was soll dabei passieren?

Der Absender einer E-Mail loggt sich mit seinem Mailprogramm, beispielsweise Outlook oder Thunderbird oder mit seinem Browser in sein Postfach bei einem der drei genannten Anbieter ein. Dieses Postfach liegt auf einem großen Server, der die abgesendeten E-Mails entgegennimmt und an die Empfänger ausliefert.

Vergleichen wir das ganze mit einem anderen Konzept, der deutschen Post. Vereinfacht dargestellt ist eine E-Mail eine Postkarte, jeder, der die Karte in der Hand hat, kann lesen was drauf steht. Diese Postkarte schafft der Absender zur Post, die diese entgegen nimmt und dann zum Empfänger ausliefert.

Hat sich der Briefeschreiber mit seinem Browser oder Mailprogramm bei seinem Postfach angemeldet kann er schon mit dem Schreiben seiner Mail loslegen. In der Regel geschieht das noch auf dem Rechner desjenigen, der die Mail verfasst.

Klickt er auf den Knopf mit der Aufschrift Versenden, wird die E-Mail, also unsere Urlaubspostkarte, dem Mailprovider, wie die Postkarte der Post, übergeben. Nun kann aber auf dem Weg zwischen dem Computer unseres Briefe schreibenden Absenders und dem Server des Mailproviders so allerhand passieren. Jemand kann die Mail abfangen, lesen und verändern, das geht aber bereits erst mit einigem technischen Aufwand. Und da greift jetzt SSL/TLS.

Auf dem Weg zwischen Absender und Mailprovider, bzw auf dem Weg zwischen Mailprovider und Empfänger wird unsere elektronische Postkarte verschlüsselt. Nun wird es schwieriger die Mail zwischen den einzelnen Stationen zu entführen und zu verändern oder auch nur zu lesen. Eine Mail gelangt meist über mehrere Stationen vom Absender zum Empfänger. Der Absender übergibt die Mail an einen Server seines Mailproviders. Der Absenderserver sucht in einem Register wo denn der Empfänger gemeldet ist und übergibt die Mail dann an den Server des Mailproviders wo der Empfänger eingetragen ist, also wo er sein Postfach hat. Dieser Server legt dann die Mail in das Postfach des Empfängers. Also kommen auf dem Weg der Mail vom Absender zum Empfänger mindestens noch zwei Stationen dazu, in der Praxis kann das aber noch mehr werden, wenn die Mail noch durch verschiedene Netze geroutet werden muss.

Was hat der Kunde von dieser Verschlüssselung?

Mit dieser Technologie werben jetzt Web.de, GMX und die Telekom. SSL/TLS ist schon fast zwanzig Jahre alt, wurde aber in den letzten Jahren, was die Kommunikation via E-Mail anbetrifft, nie wirklich genutzt. Jetzt führen genannte Provider diese Sicherheit ein und bewerben es für den Laien als die ultimative und neueste Sicherheit gegen Prism, Tempora und co.

Für den Endkunden bedeutet es nur, daß der Weg zwischen Absender und Mailserver beziehungsweise zwischen Mailserver und Empfänger und zwischen den einzelnen Mailservern gesichert ist. Ob die Mails selbst auf den Mailservern noch verschlüsselt sind, wird verschwiegen.

In den Enthüllungen von Edward Snowden wurde, laut verschiedensten Meldungen in den Medien, auch behauptet, daß diverse Diensteanbieter in der Kommunikationsbranche, vorrangig in England, dazu verdonnert wurden, an an ihren Servern sogenannte Abhörschnittstellen zu installieren. Ob und in wie weit soetwas in Deutschland passiert ist derzeit noch unklar. Durch solche Berichte wird jedenfals das Vertrauen in Diensteanbieter grundlegend erschüttert. Ob das auch noch andere Dienste betrifft, ist derzeit unklar.

Fazit

Die Ideen der deutschen Mailprovider sind ein schwacher Anfang in die richtige Richtung, klingen aber vor dem Hintergrund der Spähgaffäre insgesamt wie Hohn. In den letzten Jahren kam von keiner Stelle aus eine richtige Initiative, die dem Otto-Normal-Endkunden praktikable und verständliche Lösungen angeboten haben, seine Daten sicher und für andere unleserlich über das Internet zu versenden. Momentan muß jeder Endkunde sich vor Augen halten, daß eine E-Mail nichts anderes ist als eine Postkarte, die jeder lesen, verändern und kopieren kann. Von den Mailprovidern müssen langsam praktikable Lösungen für alle kommen, denn sonst bleibt Verschlüsselung nur denjenigen vorbehalten, die sich tiefer mit der Materie auskennen. Durch diesen Ansatz kann man den drei Mailprovidern Telekom, GMX und WEB.de nicht wirklich hundertprozentig vertrauen, denn eine Mail ist wirklich erst sicher, wenn man diese mit PGP oder S/Mime verschlüsselt versenden kann. Die alleinige verbarrikadierte Verbindungen zwischen den einzelnen Sendestationen reicht nicht aus, die Mails müssen auch weiterhin auf den Servern der Provider verschlüsselt bleiben das ist nur durch PGP erreichbar. Es muss also ein komplettes Umdenken in der Kommunikationsbranche her, sonst hat jeder Nerd seine eigene Insellösung und die restlichen 90 Prozent der breiten Masse mailen noch ungesichert und für jeden Geheimdienst gut mitlesbar. Zumindestens sind gut gesicherte Mails für einige Zeit vor unbefugtem Zugriff sicher, solang bis die Geheimdienste auf schiere Rechenpower und geknackte Schlüssel zurückgreifen können.

Tip

Jedes Jahr auf der CeBit in Hannover ist der Heise-Verlag vertreten und seit einigen Jahren kann sich jeder dort gegen Vorlage eines Ausweises und seinen Mailadressen Schlüssel und Zertifikate für das Versenden seiner Mails erstellen lassen.

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