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Gedanken der Spürnase zur Telekomdrossel – Die Seite der Verbraucher

Ab heute gilt für Neukunden die Bandbreitendrosselung bei der Telekom nach 75 GB/Monat bei einer 16 Mbit Leitung, respektive 200 GB/Monat bei VDSL. Die Pläne des Rosa Riesen, welcher schon liebevoll (Achtung Ironie) Drosselkom genannt wird, sehen vor bei Überschreiten des Inklusivvolumens die Geschwindigkeit der DSL-Anschlüsse auf 384 Kbit/s zu senken. Sicher gehen vielen Leuten, gerade bei einem hohen Prozentsatz der 12 Millionen Endkunden der Telekom, aber auch bei Wechselwilligen, die bis dato zur Telekom wechseln wollten und bei einigen Diensteanbietern einige Zukunftssorgen durch den Kopf. Fast sicher ist, daß auch einige Konkurenten der Telekom irgendwann eine Drosselung einführen, ob sie nun wollen oder nicht. Etliche DSL Anschlüsse wurden durch große Anbieter von der Telekom gemietet und diese dann weiter am den Endkunden gebracht.

Bisher ist noch nicht bekannt, was die Telekom für weitere Volumenkontingente an Gebühren verlangt, mir ist noch nichts zum Erspüren vor die Nase gekommen. Viele Leute kommen sich durch das Vorhaben recht geprellt vor, mit Sicherheit auch der eine oder andere Diensteanbieter.

Die Drossel schlägt ab den sechsundsiebzigsten Gigabyte zu, sofern man nicht höhere Kontingetne zugebucht hat. Es wurde an verschiedenen Stellen schon nachgewiesen, daß anständiges Surfen mit dieser Geschwindigkeit nicht mehr möglich ist, die Telekomwebsite brauchte 100 Sekunden, um vollständig zu laden. Aber der Otto Normal Endkunde braucht mit Sicherheit mehr noch als ein bisschen Surfen. Er will via E-Mail, Gesichtsbuch, ICQ, Jabber, Skype und anderen sozialen Netzwerken mit Freunden und Verwandten Kommunizieren. Bei solchen Geschwindigkeiten wird das auch ein recht mühsames und langwieriges Unterfangen. Ein Einkauf bei einem Onlinehändler oder die Online Banküberweisung dauern um ein vielfaches länger, es kann passieren, daß man durch die geringe Geschwindigkeiten schonmal einen Timeout von den angesprochenen Servern bekommt und somit vielleicht finanziellen Schaden erleidet. Für die Inhaber von Onlineshops wird sich diese Lage sicherlich auch negativ auswirken. Weniger Bandbreite heißt auch, daß Kunden nicht kommen oder früher ihren eventuell geplanten Einkauf verschieben oder abbrechen.

Weiter geht es bei der Unterhaltungsindustrie. Heute werden schon mehr Filme und Musik über Internet verkauft und vermietet, als auf CD und DVD. Lädt man mehrere Filme herunter, geht viel Traffic verloren, ein Filmwochenende mit Freunden ist bei 75 GB recht schnell um. Das heißt hier muß der Endkunde zweimal, respektive dreimal in die Tasche greifen. Als erstes will der DSL Anschluss mit der moantlichen Miete dafür bezahlt werden. Zweitens will mehr Datenvolumen zugebucht werden und drittens muß die Leihgebühr des Films oder das Abo bei dem entsprechenden Dienst wie Maxdome und Co bezahlt werden. Im Artikel Bandbreitendrossel bald auch für Bestandskunden habe ich schon einen kleinen Exkurs, wie sich das Problem für mich darstellt gewagt. Zur Erinnerung zitiere ich noch einmal aus dem betreffenden Artikel.

Was heißt normale Bildqualität? Die alte PAL Qualität aus der vor-High Definition Ära betrug 720 × 576 Pixel. Ein Film in dieser Auflösung belegt je nach Länge 3 bis 6 GB. Dann gibt es High Definition in zwei Qualitäten. Die niedrigere Auflösung mit 1280 × 720 wird von den öffentlich rechtlichen Sendern ausgestrahlt. Hier bewegen sich die Filme in normaler Länge zwischen 10 und 15 GB pro Film versteht sich. Full HD hat eine Auflösung von 1920 × 1080 Bildpunkten. Hier bewegen wir uns um die 25 GB pro Film. In naher Zukunft werden Filme schon in 4k Qualität ausgeliefert, Geräte um solches Material zu sehen, gibt es schon. Auflösungen von 3840 × 2160 Pixeln und 4096 × 2304 Pixeln werden hier angepeilt. 4k ist rechnerisch das Vierfache von Full HD und ist mit ca 100 GB pro Film anzurechnen.

Eine dritte Sache ist mir in den letzten Tagen, Wochen und Monaten immer mehr aufgefallen. Gekaufte Spiele, die man auch allein an seinem Rechner spielen kann und darf, benötigen einen dauerhaften Zugang zum Internet. Ein Beispiel, was vor ein paar Wochen deswegen für Furore sorgte, war das Spiel SimCity5. Hier waren die Server des Spieleanbieters überlastet und nicht für den Endkunden zugänglich. Einen ständigen Onlinezwang plant auch Microsoft mit seiner neuen XBox, die ab Mai in den Handel kommen soll. Steam und Spiele, die über Steam gekauft werden brauchen zum Teil auch Zugang zum Internet. Lädt man die Bestseller von der Steam-Website oder aus irgend einem anderen Portal herunter, so bekommt man Archiv-Dateien, die auch mindestens eine CD füllen können, aber meistens auch auf eine oder mehrere DVDs passen. Mindestens 700 MB sind da zu erwarten, wahrscheinlicher ist da aber 1 GB und mehr pro Spiel, was man sich ersteinmal downloaden muss. Hinzu kommen nach der Installation Bugfixes, Patches und Updates, was auch nochmal mit bis zu mehrferen Hundert Megabyte am Downloadvolumen zehrt.

Aber warum dieser ganze Aufwand? Zum einen wollen die Spielehersteller eine Art Kopierschutz einbauen und zum Anderen den Second-Hand Handel damit unterbinden. Man kann nur diese Spiele spielen, wenn man im Besitz einer Originallizenz mit dem dazu passenden Onlinekonto auf den Servern der Spieleanbieter ist. Computerspiele mit Onlinezwang legen Spieledaten, wie Einstellungen, Spielstände und Zusatzinfos zum laufenden Spiel bei sich in den Rechenzentren ab. Hier weiß man nicht wirklich, wieviele Daten der eigene Computer mit den Servern des Spieleanbieters austauscht. Mit der Telekomdrossel wird diese Abhängigkeit nun noch forciert. Will man vernünftig spielen, muß man zusätzlich noch bei der Telekom Datenvolumen nachbuchen.

In einer anderen Liga spielen die Massive Multiplayer Online Rollenspiele mit World of Warcraft als leuchtendem Vorbild. Anzumerken ist, daß es außer WoW noch mehr Massive Multiplayer Online Rollenspiele gibt. Einige sind auch aus dem Internet zu beziehen und benötigen wie schon erwähnt auch Updates und Patches. Hier ist der Sinn und Zweck des Ganzen, daß der Rechner das Spiel ersteinmal ausführt und über Internet sämtliche Spielerdaten, wie Inventar, die Aktionen des Spielcharakters, sämtliche Statistiken und Spielelemente, aber auch die Kommunikation zwischen den Spielern (beispielsweise über Teamspeak) über das Internet übertragen werden. Hier fällt einiges an Transfervolumen und Netzlast für alle Internet-Service-Provider (ISP) an.

Nicht nur die Massive Multiplayer Online Rollenspiele benötigen viel Traffic, generell jedes Spiel, welches man mit einem Mehrspielermodus über Internet spielen kann benötigen haufenweise Transfervolumen. Wenn es nach der Telekom gehet würde das dann auch nach 75 GB im Monat anfangen stark zu ruckeln.

Seit 2 oder 3 Jahren wird die Cloud von vielen Anbietern wörtlich auf Wolke 7 (englisch Cloud seven als kleines Wortspiel) gehoben. Google und Microsoft spielen da mit vielen Diensten wie Onlinefestplatten namens Skydrive oder Webbasierten Officeanwendungen, Kalendern, Mail und viel anderem Zeug eine Vorreiterolle. Dropbox bietet günstigen Speicherplatz auf verschiedenen Rechenzentren an. Vorteilhaft ist, daß man so ohne viel Aufwand seine Dokumente, Bilder, Musik, Adressdaten und vieles mehr auf allen Endgeräten, wie PC, Notebook, Tablet und Smartphone synchron halten kann. Wer seine Daten nicht aus der Hand geben möchte, stellt sich daheim einen kleinen Homeserver hin und verbindet diesen mit seinem Netzwerk und dem Internet. Alles hat hier einen DSL Anschluss daheim als kleinsten gemeinsamen Nenner. Datensharing via Cloud ist recht einfach, schnell sind mal die Fotos der Katze an Freunde geschickt, oder das letzte Urlaubsvideo auf den eigenen Server, oder einen entsprechenden Diensteanbieter gesendet, der dann alles für jeden zugänglich macht. Auch dem schiebt die Telekom mit ihrer Drossel ein Riegel vor.

An jeder Ecke im Internet bekommt man als Endnutzer Software aller Coleur quasi kostenlos (oder gegen einen Obolus) nachgeworfen. Für jeden ist etwas dabei, auch wenn es nur zum Austesten ist. Diese Programme wollen ersteinmal heruntergeladen werden und auch im Laufe der Dienstzeit mit regelmäßigen Updates versorgt werden. Open-Source Software bietet Entwicklern und Hobbyprogrammierern die Möglichkeit eigene Funktionen zu einem beliebigen Programm zu verpassen. Allerdings ist dafür der Quellcode für das zu erweiternde Programm zu laden. Weiterhin benötigen Programmierer die nötigen Entwicklungsumgebungen für ihren PC und die besorgt man sich auch am besten über das Internet. Bei manchem Entwickler sind es sogar mehrere Programme, die er mit eigenen Funktionen aufstockt. Bei 384 kbit/s sind solche Downloads, fals man am Monatsende schnell noch ein solches Programm für irgendetwas benötigt, erst nach langer Wartezeit und einem Koffeinschock fertig. Das Selbe gilt für ein frisch aufgesetztes Betriebssystem, egal welches man nun nutzt. Als allererstes wollen Updates gezogen werden, bei Windows 7 sinds schon 3 GB, die man mittlerweile herunterladen möchte. Aber auch andere Geräte möchten Sicherheitsupdates. Das sind momentan alle modernen Spielekonsolen oder Smartphones und Tablets um ein paar aktuelle Beispiele zu nennen.

Jetzt wird momentan digitales Radio stark angepriesen. Eine Möglichkeit nutzt das digitale Rundfunksignal und eine andere Variante klinkt sich über den heimischen Router ins Internet ein. Vorteile sind, daß man Welotweit tausende Radiostationen in gleichbleibender Qualität hereinbekommt dazu noch einige feine Zusatzinfos zur Sendung, zu Interpreten und Titeln und einiges mehr. Jeder Deutsche hat am Tag laut aktuellen Statistiken 4 Stunden das Radio laufen. Und zieht das Radio aus dem Internet die Musik, ganz legal versteht sich natürlich, summiert sich das im Laufe der Zeit natürlich auch langsam auf.

Youtube, Audio- und Videoblogs sind auch recht datenintensive Dienste. Jeder kann ohne weiteres seinen Blog mit Audio- und Videokommentaren aufmotzen. Youtubevideos sind zum einen recht unterhaltsam und als Musikfan nutzt man natürlich auch Youtube um sich Künstler anzuhören, die man bisher noch nicht kennt. Dabei fällt mir ein, daß viele junge Künstler, gerade was in Musik und Video/Film geht, sich zum großen Teil auch übers Internet vermarkten um Kosten eines Labels oder Verlegers zu sparen. Führt die Telekom die Drossel ein, so werden Künstler und Blogger, die auf Audio und Video setzen auf die Zeit hin gesehen beim Endkunden stumm geschaltet. Auch mit einer Geschwindigkeit von 384 kbit/s wird dieser Blog unleserlich, da er mit dieser Geschwindigkeit schlichtweg lange braucht um sich zu öffnen.

Was ist dann mit der heutigen Bildung? Viele Schüler und Studenten, aber auch Azubis und jeder Berufstätige informiert sich heutzutage mehr zu einem bestimmten Themengebiet seines Berufes, Studienfaches oder Hausaufgaben über Internet, als in der staubigen Bibliothek. Mit schnellen Internetanschlüssen ist die gesuchte Information in recht moderatem Zeitaufwand auch gefunden. Schlägt auch hier die Drossel zu, laden Seiten wie die Wikipedia nur noch recht langsam. Das Suchen von Informationen und Lehrmaterial wird dadurch recht langwierig. Auch viele Lehrer, Dozenten und Professoren die das Internet zur Vorbereitung ihrer Stunden, Seminare und Vorlesungen nutzen werden durch die Folgen der Bandbreitendrosselung eingeschränkt. Da kann man sich gleich wieder in die Bibliothek setzen und auf altmodische Weise seinen Lehrstoff durchrecherchieren – und dabei einen Großteil seiner Freizeit dabei lassen.

Das alles wird sich für Endkunden, Künstler und Diensteanbieter jeden Formates in der nächsten Zeit ändern. Wer das nicht möchte, sollte sich ab heute einen anderen Provider suchen, der noch keine Drossel plant.

Links zum Thema

  1. Bandbreitendrossel bald auch für Bestandskunden
  2. Kritik an der Städtebausimulation SimCity 5

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